Geht die Erholung an der Binnenkonjunktur vorbei?
BdB: Konjunkturbericht Juli 2004 - 20.07.2004
- Der Aufwaertstrend der deutschen Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten fortgesetzt. Getragen von einer kraeftigen Exportnachfrage zeigt sich vor allem die Industriekonjunktur in einer soliden Verfassung. Angesichts der weiterhin guenstigen Prognosen zur weltwirtschaftlichen Entwicklung ist in Deutschland fuer dieses Jahr inzwischen ein
Wirtschaftswachstum von 1 3/4 Prozent zu erwarten.
- Die zuletzt veroeffentlichten Wachstumsprognosen fuer 2005 unterscheiden sich vor allem in den Annahmen ueber die weitere Entwicklung der deutschen Binnenkonjunktur. Waehrend die optimistischen Prognosen davon ausgehen, dass die Exportbelebung allmaehlich auch die Binnennachfrage belebt, sehen die zurueckhaltenderen Konjunkturprognosen das ?klassische deutsche Erholungsmuster-grundlegend gestoert und sagen 2005 eine Abschwaechung des
Wirtschaftswachstums voraus.
- Auch wenn in den letzten Jahren der konjunkturelle Zusammenhang von Exporten, Investitionen, Beschaeftigung und Konsum in Deutschland schwaecher geworden ist, gibt es keine Anzeichen dafuer, dass diese Verbindungen grundsaetzlich nicht mehr wirken. Angesichts guter Finanzierungsbedingungen und einer steigenden Kapazitaetsauslastung ist im laufenden Jahr weiterhin mit einer allmaehlichen Belebung der Investitionen zu rechnen. Selbst fuer den Arbeitsmarkt gibt es erste vorsichtige Signale fuer eine Stabilisierung in der zweiten Jahreshaelfte. Die Binnennachfrage koennte deshalb im naechsten Jahr die nachlassenden aussenwirtschaftlichen Impulse kompensieren und die Wachstumsrate auf dem diesjaehrigen Niveau halten.
- Im Euro-Raum kommt die wirtschaftliche Erholung etwas schneller voran als in Deutschland. Dank einer wachsenden Konsumnachfrage steht die Erholung zudem auf einem breiteren Fundament. Fuer den Euro-Raum ist dieses Jahr daher ein Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent moeglich. Ein wichtiger Grund fuer die lebhaftere Konsumnachfrage ist die
Beschaeftigungsentwicklung. Erste Erfolge der Arbeitsmarktreformen in einigen Euro-Staaten haben dazu gefuehrt, dass die Beschaeftigung im gesamten Euro-Raum selbst in der wirtschaftlichen Schwaechephase der letzten drei Jahre gestiegen ist. In Deutschland ist sie hingegen deutlich gesunken.
- Deutschland hat im Vergleich zu zahlreichen europaeischen Nachbarstaaten erst relativ spaet damit begonnen, grundlegende Reformen auf dem Arbeitsmarkt einzuleiten. Mit den ?Hartz-Gesetzen-und der ?Agenda 2010? sind inzwischen aber erste Schritte in die richtige Richtung unternommen worden. Fuer nachhaltige Erfolge muss der eingeschlagene Weg konsequent
weiterverfolgt werden, was von den Tarifparteien unter anderem durch grosszuegige Oeffnungsklauseln in den Flaechentarifvertraegen unterstuetzt werden sollte.