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Tarifvertrag für Zeit-arbeit

Jahresarbeitszeitkonto vereinbart / Anreize auch für Teilzeitkräfte
 
Das erste bundesweite Tarifwerk für die Zeitarbeit seit der Zulassung der Branche im Jahr 1972 ist unter Dach und Fach. Nach fünf Monaten dauernden Verhandlungen haben sich der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und die Tarifgemeinschaft Zeitarbeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Nacht zum Mittwoch auf einen Manteltarifvertrag geeinigt. Ende Mai hatten beide Seiten schon ein neunstufiges Entgeltsystem vereinbart, das auf Basis einer 35-Stunden-Woche je nach Qualifikation der Arbeitnehmer Stundensätze von 6,85 bis 15,50 Euro vorsieht, die bis 2007 jährlich um 2,5 Prozent erhöht werden. Werden Zeitarbeiter länger als 3/6/9/12 Monate an den gleichen Kunden verliehen, werden Zuschläge von 2,0/3,5/5,0/7,5 Prozent fällig.

Kernstück des jetzt ausgehandelten Manteltarifvertrages ist ein flexibles Jahresarbeitszeitkonto auf der Basis von 1827 Jahresstunden. Mehrarbeit kann durch Freizeit ausgeglichen oder als Geldleistung ausgezahlt werden; in diesem Fall wird ein Zuschlag von 25 Prozent fällig, sofern 15 Prozent der individuellen regelmäßigen Arbeitsstunden überschritten werden. Diese Regelung soll auch Teilzeitarbeit attraktiver machen. Für Sonn- und Feiertagsarbeit gilt ein Zuschlag von 100, für Nachtarbeit von 25 Prozent der Basisvergütung.

Der BZA-Verhandlungsführer Jürgen Uhlemann kritisierte, daß das Vertragswerk "unter dem Damoklesschwert" der im neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgeschriebenen gleichen Bezahlung von Zeitarbeits- und Stammkräften ("equal pay") verhandelt werden mußte. "Unter diesen Vorzeichen sind wir mit dem Erreichten außerordentlich zufrieden." Das Arbeitszeitkonto gebe den Unternehmen "Spielräume als Ausgleich zu den starren Tarifregelungen, die uns die Politik zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aufgenötigt hat". Das Vertragswerk sei "wirtschaftlich vertretbar, ordnungspolitisch verläßlich und in der Praxis einfach anwendbar". Das Verhandlungsergebnis werde allerdings von den subventionierten Personal-Service-Agenturen (PSA) konterkariert. "Wer zu Dumpingpreisen Arbeitskräfte überläßt, muß sich nicht wundern, wenn die Unternehmen später nicht gewillt sind, Zeitarbeiter zu höheren, marktgerechten Löhnen zu übernehmen." Die Politik müsse über das Thema PSA neu diskutieren.

Der DGB-Verhandlungsführer Reinhard Dombre lobte, mit dem Vertragswerk würden bisher weiße Flecken in der Tariflandschaft geschlossen. Für die Zeitarbeit werde "ein neues Kapitel aufgeschlagen". Das Arbeitszeitkonto garantiere den Mitarbeitern unabhängig von der gearbeiteten Stundenzahl einen kontinuierlich gleichen und verstetigten Monatsverdienst.